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Schüleraustausch mit Kirgistan

Nachdem der erste Teil des vom Goethe Institut bezuschussten Austausches bereits im September 2017 stattgefunden hatte, als unsere Gäste aus Karakol bei uns in Naila waren, fuhren wir am 21.6. voller Erwartung und auch etwas Bangen los, um ein exotisches Austauschland zu entdecken. Einige hatten sogar einen Russischkurs am Gymnasium belegt, um sprachlich nicht ganz verloren zu sein.
Turkish Airlines brachte uns ab Nürnberg über Istanbul für knapp zwei Wochen in die ehemalige Sowjetrepublik Kirgistan, die erst 1991 unabhängig wurde und gebirgiger ist als Nepal.
Nach einem anstrengenden Nachtflug landeten wir in der Hauptstadt Bishkek und fuhren gleich in unser Hostel, direkt in der Innenstadt. Bishkek machte auf uns einen entspannten Eindruck, mit vielen Gebäuden noch aus der Sowjetzeit, deren Tristesse durch die baumbestandenen Alleen und den Panfilov Park teilweise aufgehoben wurde. Mit der Entspannung war es vorbei, als wir zum Osh Bazar fuhren, einem riesiges Gewirr aus Lebensmittelmarkt, chinesischen Billigartikeln und Handwerkermarkt. Immer wieder wurden uns extrem bunte Bettwaren mit graphischen Mustern und allerlei Filzteppiche angeboten. Nach einem ausführlichen Stadtrundgang hatten wir eine erste Begegnung mit kirgisischen Essensspezialitäten: der scharfen Nudelsuppe Lagman und den Teigtaschen Manti.
Auf dem vierstündigen Weg nach Karakol, wo sich unsere Austauschschule befand, bekamen wir sogleich einen Eindruck von der Steppenlandschaft Kirgisiens und den riesigen Gebirgsketten. Wir bestaunten den Burana Turm und machten Halt im Dorf Rotfront/Bergtal, das noch von 150 Deutschstämmigen besiedelt ist, obwohl die meisten der 900 Einwohner als Aussiedler nach Deutschland gezogen sind.
In Karakol gab es eine stürmische, herzliche Begrüßung durch unsere Austauschpartner und deren Eltern und wir stellten fest, dass wir uns bereits auf 1800 m über dem Meeresspiegel befanden und in unmittelbarer Nähe des Tien Shan Gebirges, 100 km von der chinesischen Grenze. Dies wurde auch sichtbar an der ethnischen Zusammensetzung der Stadt, die aus 80% Kirgisen und ca. 20 % Russen bestand.
Unser Programm begann am nächsten Tag um 5 Uhr in der Frühe auf dem Viehmarkt, der bereits seit Mitternacht im Gange war. Es war eine Mischung aus Jahrmarkt, Schlachthof und Viehverkauf und definitiv nichts für Tierschutzfreunde. Alle probierten fermentierte Stutenmilch und wunderten sich, wie man die Mischung aus Äppelwoi mit Schimmelkäsegeschmack als Nationalgetränk verkaufen kann. Die Besichtigung der bunten russisch-orthodoxen Holzkirche und der berühmten Dunganen Holzmoschee waren weitere Highlights in der Stadt, aber am nächsten Tag ging es in ein Jugendpionierlager am Issyk Köl See zur Entspannung. Schon auf dem Weg dorthin sahen wir unzählige Straßenstände mit Aprikosen und getrockneten Fischen aus dem See, die die Einheimischen zum Bier essen. Die Wassertemperatur lag bei knapp 20 Grad und alle badeten mit Aussicht auf die nahen schneebedeckten Gipfel der 7000er Khan Tengri und Przewalski, bis ein enormer Sandsturm, der innerhalb weniger Sekunden aufkam, uns Deckung suchen ließ.
Weil in Kirgistan bereits seit Mitte Juni Sommerferien waren, kamen wir nur einmal zu einem Projekt und der Begrüßung durch die Direktorin in der Schule zusammen. Als Botschafter der deutschen Sprache rappten wir zu Fontanes Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ und sangen „Mein kleiner grüner Kaktus“, während unsere Partner sich mit einem Workshop zur Filzkunst revanchierten und musikalische Darbietungen auf dem nationalen Saiteninstrument Komuz zeigten.
Richtig abenteuerlich wurde es, als wir zu den heißen Quellen von Altyn Araschan wanderten, durch endlose Blumenwiesen und unterwegs auf halbwilde Pferdeherden stießen. Auf die Übernachtung in einer Jurte hatten sich alle gefreut und endlich kam unsere mitgeschleppte Hochgebirgsausrüstung zum Einsatz, mit der man es sich auf dem Holzboden bequem machen konnte.
Die Zeit ging viel zu schnell vorbei, wir kamen kaum dazu, unsere Eindrücke zu verarbeiten, schon gab es wieder etwas Neues zu bestaunen. Aber allen ist die besondere Gastfreundlichkeit in Erinnerung geblieben, mit der wir empfangen wurden. Auch wenn einige am Anfang der Reise Bedenken hatten, ob ihnen diese geballte Dosis Exotik nicht zu viel würde, waren auf dem Heimflug alle überzeugt, dass sich dieser Austausch gelohnt hatte und dass wir viele tolle Erlebnisse mit nach Hause nahmen.
Als nächstes Ziel steuern wir durch Vermittlung des Goethe Instituts wieder Russland an.

Andrea Walther-Gläseke, 2018-11-27 18:29:13

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