Home > Aktivitäten > Veranstaltungen > Besuch eines Flüchtlings in der 9c

Besuch eines Flüchtlings in der 9c

Am Donnerstag dem 11.07.2019 hatten wir, die Schüler der Klasse 9c, die Chance einem Flüchtling aus Eritrea Fragen über sein Leben und seine Flucht zu stellen. Simon ist 21 Jahre alt und wurde in Eritrea geboren. Seit 2015 ist er in Deutschland und lernt seitdem Deutsch. Aktuell lernt er den Beruf eines Kfz-Mechatronikers, welchen er auch später weiter ausführen möchte.
Er floh aus seiner Heimat, weil er nicht dem Militär verpflichtet werden wollte, so wie sein Bruder. Dieser hat eine Frau und drei Kinder und sieht sie nur sehr selten. Außerdem ist man als Soldat eigentlich sein Leben lang im Dienst, das heißt man hat so gut wie keine Chance zu studieren, geschweige denn einen anderen Beruf zu lernen. Als er 16 war, ging er also mit einem Freund und wenig Geld los. Zu dieser Zeit war schon mehr als die Hälfte aus Simons Klasse geflohen. Sie gingen zu Fuß nach Äthiopien, in den Sudan, wo sie ein halbes Jahr verbringen mussten, weil Simon erst Geld verdienen musste. Dort kaufte er sich auch seine ersten Kleidungsstücke. Von dort reiste Simon alleine weiter nach Libyen, mit 290 Mann auf einem Holzboot über das Mittelmeer, wo sie von der italienischen Küstenwache aufgegriffen und nach nach Italien gebracht wurden. Simon sagte: Wäre ich länger auf dem Boot geblieben, wäre ich auch gestorben. Weiter ging es mit dem Zug nach Österreich und schließlich landete er in Deutschland. Sein eigentliches Ziel war England. Simons Freund kam wenig später in Bremen an, wo er auch aktuell noch lebt. Simon landete in einem Flüchtlingslager in Hof, zog aber später in eine Wohnung nach Marxgrün, in der er auch derzeit wohnt. Mit starkem Rassismus kam er in Deutschland erst zweimal in Kontakt: In Dresden und auch in Hof. Auf die Frage, was er an Deutschland mag bzw. nicht mag, meinte er, dass die Kultur hier zwar ungewohnt für ihn ist, er sich aber daran gewöhnen kann. Außerdem gefällt ihm, dass man lernen kann, was man will und man alle Freiheit. Freiheit ist für ihn, dass man sagen kann was man denkt, woran man auch merkt, dass es das in seiner Heimat nicht gibt. Seine Hobbies sind Fußball und Schwimmen, was er allerdings auch erst in Deutschland gelernt hat.
Bisher hat sich Simon sehr gut eingelebt; er hat Freunde gefunden, mit denen er regelmäßig etwas unternimmt und fühlt sich sehr wohl. Allerdings kann er nur einmal im Monat mit seiner Familie telefonieren, weil ein 20-minütiger Telefonanruf nach Eritrea 10 kostet. Für die Zukunft hat Simon auf jeden Fall geplant, wieder zurück in seine Heimat zu gehen, falls sich die Politik dort ändert, da er seine Familie sehr vermisst.

Wir sind sehr dankbar, dass Simon unsere Fragen so ehrlich beantwortet hat und uns seine Perspektiven näher gebracht hat, und hoffen, dass er seine Familie einmal wiedersehen kann.

Indira Wehr, 9c, 2019-07-23 21:30:24